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V+ Fonds 1, 2, 3 / Venture Plus

V+ GmbH & Co. Fonds 1, 2, 3 KG und Venture Plus GmbH & Co. Fonds 4 KG


Die Fonds

Die V+ Fondsgesellschaften (Venture Plus), die unter dem Slogan „Gib Geld einen Sinn!“ starteten, sollten in Produkte, Erfindungen, Technologien und Dienstleistungen investieren, an denen aus ethischer und moralischer Sicht keine Bedenken bestehen und die hohe Renditechancen bergen. Ob diese selbst auferlegten Ziele eingehalten werden können, ist uns einen näheren Blick wert. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der aufgelegten Fonds und ihren Investitionsprojekten sowie eine situative Bewertung.

V+ GmbH & Co. Fonds 1 KG

Die 2005 durch die V+ Beteiligungs GmbH (Geschäftsführer Herbert Riss) und der Linnemann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH gestartete V+ GmbH & Co. Fonds 1 KG sah vor, dass sich Anleger mit einer Soforteinlage von 2.000 Euro oder einer monatlichen Ratenzahlung von mindestens 30 Euro (zzgl. Agio) als Kommanditisten bzw. Treuhandgeber beteiligen. Die Gesellschaft hat ihren Geschäftssitz in Landshut. Zweck der Gesellschaft ist der Erwerb, die Verwaltung und Weiterveräußerung von Unternehmensbeteiligungen. Der Bereich der zu finanzierenden Unternehmen wird als "Venture Capital" beschrieben. Dies ist ein Segment des Marktes, in dem u.a. als besonders riskant geltende Unternehmen Kapitaleinlagen erhalten sollen. Ein großer Teil dieser Beteiligungen sollte über den sogenannten Zweitmarkt erworben werden. Die Konstruktion des Fonds sah also vor, ähnlich wie die eines Dachfonds, in mehrere kleinere Zielfonds zu investieren, wobei die Zielfonds selbst wiederum in Unternehmen oder Beteiligungsgesellschaften investieren oder investiert haben. Unter anderem soll in Anteile der GC Global Chance Fund GmbH & Co. KG investiert worden sein.

Das Gesamtinvestitionsvolumen des Fonds wurde mit 50 Millionen Euro, mit der Option zur Aufstockung, angesetzt. Der Gesellschaftsvertrag soll bis Ende 2032 laufen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die ordentliche Kündigung ausgeschlossen.

V+ GmbH & Co. Fonds 2 KG

2007 wurde der Fonds V+ GmbH & Co. Fonds 2 KG gegründet. Die Gesellschaft hat ihren Geschäftssitz in Landshut. Der genannte Sinn und Zweck der Investition ist größtenteils deckungsgleich mit dem ersten aufgelegten Fonds V+ GmbH & Co Fonds 1 KG, und zwar der Erwerb, Erhalt, die Verwaltung und/oder Veräußerung von Direktbeteiligungen an Unternehmen oder anderen, bereits existierenden Beteiligungsgesellschaften im Bereich des so bezeichneten „Venture Capitals“, die selbst wieder Beteiligungen wahrnehmen. Die Gründungsgesellschaften des Fonds V+ 2 sind die V+ Beteiligungs 2 GmbH sowie die Holtermann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (ehemals die oben genannte Linnemann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, bis 2006).

Das geplante Gesamtinvestitionsvolumen des Fonds belief sich auf 100 Millionen Euro, ebenso mit der Option zur Aufstockung seitens Venture Plus bis 300 Millionen Euro. Der Gesellschaftsvertrag soll bis 2035 bestehen, wobei den einzelnen Gesellschaftern allerdings nach 10 Jahren ab vollständiger Zahlung ihrer Einlage ein Sonderkündigungsrecht zugesprochen wurde. Ausschüttungen sollen erst ab einer Gewinngrenze von 20.000 Euro stattfinden. Direktbeteiligungen sollen u.a. an der TerraElast AG und der Neuroconn GmbH getätigt worden sein.

Als indirekte Investitionen bzw. auf dem Zweitmarkt erworbene Anteile der V+ GmbH & Co. Fonds 2 KG wurden unter anderem genannt:
GA Global Asset Funds gmbH & Co. KG
GC Global Chance Fund GmbH & Co. KG
MIG AG & Co. Fonds 2 KG
MIG AG & Co. Fonds 3 KG
MIG AG & Co. Fonds 4 KG
V+ GmbH & Co. Fonds 1 KG

V+ GmbH & Co. Fonds 3 KG

Der 2009 gegründet Fonds v+ GmbH & Co. Fonds 3 KG unterscheidet sich zu den ersten beiden Fonds der Unternehmensgruppe Venture Plus (V+) dadurch, dass die Investition des Anlegerkapitals im Bereich der direkten Beteiligungen nach dem „V+ ETHIK INDEX“ geschehen sollte. Ein starker Fokus innerhalb der Fondskonstruktion lag auch hier auf dem Erwerb von Anteilen über den Zweitmarkt. Es sollten Anteile an Beteiligungsgesellschaften von bisherigen Anlegern erworben werden, die ihre Anlage kündigen bzw. anderweitig loswerden wollen. Dabei wird den bisherigen Anlegern nur ein geringer Teil der ursprünglichen Einlagekosten als Ausgleich gewährt. Als Sinn und Zweck kann damit u.a. das Schaffen einer Veräußerungsmöglichkeit auf dem nicht geregelten Zweitmarkt für Beteiligungen genannt werden.

Venture Plus GmbH & Co. Fonds 4 KG

Im Jahr 2013 wurde der Fonds Venture Plus GmbH & CO. Fonds KG aufgelegt. Der Geschäftssitz des Fonds befindet sich in Leverkusen. Der Fonds ist als sog. Blind Pool Fonds konzipiert und sollte nach eigenem Bekunden auch Kleinanlegern die Möglichkeit geben, im Private-Equity Sektor zu investieren. Der Begriff Blind Pool beschreibt hierbei die zum Zeitpunkt der Zeichnung noch nicht genau feststehenden Objekte in die investiert werden soll. Die kleinste akzeptierte Beteiligung war ab 2000 Euro möglich. Der Vertrag sah neben des Sofortzahlers auch ein Modell für Ratenzahler (ab 30 Euro) sowie eine Kombination aus Einmalzahlung und Ratenzahlung vor.

Die gesamte Investition sollte bei 100 Millionen Euro starten und bis zu 300 Millionen Euro aufgestockt werden. Die erstmalige Kündigung ist laut Vertrag 15 Jahre nach Beitritt im Rahmen eines Sonderkündigungsrechts der Anleger möglich.

Die Situation

Problematisch stellen sich aus unserer Sicht verschiedene Aspekte dar. Zunächst einmal ist als kritisch zu bewerten, dass potentiellen Anlegern die V+ Fonds häufig als sichere Altersvorsorge empfohlen wurden. Teilweise wurde dabei sogar dazu geraten, bestehende Lebensversicherungen oder Bausparverträge aufzulösen, um sich an diesen potentiell rentableren Gesellschaften zu beteiligen. Nicht aufgeklärt wurden Anleger häufig darüber, dass es sich hierbei um die Beteiligung an einem Unternehmen handelt, was im schlimmsten Fall mit dem kompletten Verlust ihrer Einlage einhergehen kann.

Zusätzlich problematisch stellen sich die eingeschränkten Veräußerungsmöglichkeiten dieser Beteiligungen dar. Die Beteiligungen könnten nur auf dem Zweitmarkt verkauft werden. Bei der Veräußerung müssen hier je nach Angebot und Nachfrage oft massive Verluste hingenommen werden, sofern Anleger früher oder schnell auf Ihr Geld zugreifen möchten. Ein vorgezogenes Kündigen ist nicht vorgesehen.

Kritisch sollten auch die hohen Weichkosten der Fonds betrachtet werden, weil dieser Teil der Ausgaben nicht direkt in Investitionen fließt . Die Nebenkosten werden beispielsweise im Falle des V+ 1 mit 22,94% angegeben. Im Rahmen des V+ 2 werden ausweislich des Verkaufsprospektes von der Zeichnungssumme sogar 23,45% in Form von Provisionen und anderen Weichkosten abgezogen. Bei weichen Kosten in diesen Dimensionen sollten bzw. müssen Anlageberater auch nach Ansicht der Rechtsprechung ohne Aufforderung über die vorherrschenden Verhältnisse informieren.

Grundsätzlich besteht bei geschlossenen Fonds auch das Risiko von Rückzahlungsansprüche bereits erhaltender Ausschüttungen. Die langfristige Bindung von über 20 Jahren bei den Ratenzahlungsvereinbarungen und das völlig offene Ergebnis der Investitionen führen dazu, dass diese Form der Anlage im Sinne einer sicheren Altersvorsorge als ungeeignet anzusehen ist.

Das unserer Ansicht nach mangelhafte Management des Unternehmens ist ein weiterer Punkt, der die Anleger zusätzlich im Ungewissen lässt. Teilweise sind Verluste nicht nachvollziehbar aufgezeigt. So ist vielen Anlegern der V + GmbH & Co. Fonds 2 KG vermutlich gar nicht bewusst, dass der Fonds zwischenzeitig fast 25 Millionen Euro Verlust ausgewiesen hat. Ob man hier von einer professionellen Fondsvermittlung und -betreuung sprechen kann, ist unserer Ansicht nach überaus fraglich.

18.02.2017 - Aktuelle Situation der V+ Fonds 1 & 2

Nachdem die Gesellschafterversammlung im Oktober 2016 gescheitert war, kamen am 13.02.2017 nun zwei beschlussfähige Versammlungen für die Fonds V+ GmbH & Co. Fonds 1 KG und V+ GmbH & Co. Fonds 2 KG zu Stande. Im Rahmen dieser Veranstaltungen wurde für beide Fonds der Beitritt einer neuen Komplementärin entschieden. Die Komplementärin hatte sodann den Vorschlag einer Satzungsänderung eingebracht, welcher von den Anlegern jedoch abgelehnt wurde. Dabei ging es hauptsächlich um die Abschaffung der Liquiditätsreserve in Höhe von 10 Prozent des eingelegten Nettokapitals. Viele der erschienenen Anleger wollten in Erfahrung bringen, wie es nun weiter gehen soll und welcher Kurs eingeschlagen wird. Es wurden unter anderem Stimmen laut, die Fonds der sofortigen Liquidation auszusetzen. Der Geschäftsführer erklärte dazu, dass im Falle einer sofortigen Verwertung der Fonds die Anleger vermutlich völlig leer ausgehen würden. Ob sich die Lage dauerhaft stabilisieren lässt und die Fonds sich erholen, ist unklar und sollte kritisch betrachtet werden. Anleger, die von ihrem Anlageberater unzureichend über das Konzept und die Risiken ihrer Beteiligung aufgeklärt wurden, haben möglicherweise Schadensersatz- oder Rückabwicklungsansprüche und sollten auch in Betracht ziehen diese zeitnah anwaltlich durchzusetzen, da im laufenden Jahr Verjährungsfristen drohen.


25.02.2017 - Auflösung des Fonds Venture Plus 4

In einem Schreiben vom 08.02.2017 wurde den Anleger des Fonds Venture Plus GmbH & Co. 4 KG mitgeteilt, dass am 31.01.2017 ein Auflösungsbeschluss gefasst wurde. Gründe sind laut seiten des Fonds die wirtschaftlich wenig sinnvolle Fortführung der Unternehmung sowie die fehlende BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) Genehmigung, die seitens der verwaltenden Gesellschaft seit Jahren erfolglos immer wieder beantragt wird. Die Auflösung der Gesellschaft soll wirksam zum 01.04.2017 unter Eintragung in das Handelsregister geschehen. Voraussichtlich werden Anleger mit hohen Verlusten rechnen müssen. Anleger, die sich unzureichend über die gravierenden Risiken beraten fühlen, sollten rechtliche Schritte in Erwägung ziehen. Bei unzureichender Beratungsleistung seitens Anlageberatern, -vermittlern oder Banken ergeben sich möglicherweise Ansprüche gegen die entsprechenden Parteien. Im besten Fall kann sogar die komplette Rückabwicklung der Beteiligung erreicht werden.

Unsere Empfehlung

Betroffenen Anlegern ist daher zu empfehlen, ihre Verträge anwaltlich prüfen zu lassen. Als Anleger sind sie Anteilseigner und tragen das unternehmerische Risiko. Geraten die Fonds in finanzielle Schieflage oder ergeben sich sonstige Schwierigkeiten, haben die Anleger das zu tragen. Auch ein Totalverlust ist möglich. Außerdem besteht das Risiko, erhaltene Ausschüttungen zurückzahlen zu müssen.

Als Anwälte klären wir zunächst die Beratungsqualität. Über Risiken wurde in der Regel nur selten vollständig aufgeklärt. Falls der Verkauf durch eine Bank erfolgte, hätte auch über Rückvergütungen informiert werden müssen. Der Kunde muss einschätzen können, was die Bank an dem Verkauf verdient. Die Vermittlung geschlossener Fonds zur Altersvorsorge wird von der Rechtsprechung als kritisch bewertet. Ein weiterer Haftungsgrund sind oftmals Prospektfehler. Die umfangreichen Verkaufsprospekte sind in vielen Fällen falsch. Ob und gegen wen sich daraus Ansprüche ergeben, kann jedoch nur anwaltlich geprüft werden.

Die Haftungsfrage sollte unbedingt zeitnah geklärt werden, da sonst die Verjährung möglicher Ansprüche droht. Die Verjährungsfrist beträgt grundsätzlich 10 Jahre. Unter gewissen Umständen tritt allerdings schon eine frühere Verjährung ein. Eine rechtliche Bewertung ist daher unabdingbar.

Eine Erstbewertung, in der die Chancen und Risiken etwaiger Maßnahmen ausgelotet werden, können Sie direkt bei uns beantragen. Um eine realistische Einschätzung Ihrer Situation zu ermöglichen, haben wir den Fragebogen für Kapitalanlagen für Sie bereitgestellt.

Falls Sie Fragen haben, dann zögern Sie bitte nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen. Gerne stehen wir Ihnen auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

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